Pressemitteilung

Steinhoff-Bilanzskandal: Sammelklage gegen Steinhoff, Deloitte, Commerzbank und weitere Verantwortliche in Südafrika eingereicht – Forderungen im Milliardenbereich 

Kirchentellinsfurt, Deutschland/Johannesburg, Südafrika, 08.08.2018

Heute wurde vor dem High Court in Johannesburg eine Sammelklage (Class Action) wegen Anlegerschäden aufgrund des Steinhoff-Bilanzskandals eingereicht. Verklagt sind neben der Konzernholding Steinhoff International Holdings N.V. auch Banken und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, unter anderem die Commerzbank AG, die Standard Chartered Bank, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte und Rödl & Partner sowie verantwortliche Einzelpersonen. Unter den Beklagten befindet sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Steinhoff International Holdings N.V., Markus Johannes Jooste, deren ehemaliger Finanzvorstand, Ben la Grange, und deren ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzende Christoffel Hendrik Wiese. 

Die jetzige Sammelklage wurde durch die südafrikanische Kanzlei LHL Attorneys Inc. erhoben. Diese bildet gemeinsam mit der deutschen TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH sowie der niederländischen Kanzlei Bynkershoek Dispute Resolution eine internationale Anwaltskooperation zum Schadensfall Steinhoff. 

Gegenstand der Sammelklage sind Schadensersatzansprüche von Aktionären der Steinhoff International Holdings N.V. sowie ihrer Vorgängergesellschaft, der Steinhoff International Holdings Limited (SIHL), aufgrund von Aktienkäufen seit 2013. Der Hauptvorwurf lautet, dass die Steinhoff International Holdings N.V., die SIHL und weitere Verantwortliche mehrfach gegen kapitalmarktrechtliche Gesetze verstoßen haben und die Bilanzen der Steinhoff International Holdings N.V. sowie der SIHL über Jahre manipuliert wurden. Das vorläufige Klagevolumen beläuft sich auf ca. 12 Milliarden Euro. 

Die auf komplexe Prozessführung im Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei TILP hatte Ende Dezember 2017 die weltweit erste Anlegerklage gegen die Steinhoff International Holdings N.V. vor dem Landgericht Frankfurt am Main erhoben und zugleich einen Antrag auf Einleitung eines Musterverfahrens nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) gestellt. TILP begleitete auch die Vorbereitung der jetzigen Sammelklage in Südafrika. „Die heute eingereichte Klage ist ein zentraler Baustein unserer grenzüberschreitenden Prozessstrategie, welche mehrere Länder umspannt", erläutert Maximilian Weiss, Rechtsanwalt der TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.  

Diese internationale Durchsetzung von Anleger- und Investorenrechten im Schadensfall Steinhoff wird durch die Stiftung Steinhoff International Compensation Claims (steinhoffclassaction.org) unterstützt. Der Stiftung haben sich bereits namhafte institutionelle Investoren aus dem In- und Ausland angeschlossen. 

Die jetzige Sammelklage in Südafrika durchläuft nun in einer ersten Stufe einen sogenannten Zertifizierungsprozess. Dabei wird der High Court in Johannesburg die Voraussetzungen für die Class Action prüfen und Details, wie beispielsweise die Gruppen der Geschädigten, abstrakt bestimmen. Nach erfolgreicher Zertifizierung haben geschädigte Anleger und Investoren die Chance, von einem Urteil oder einem Vergleich zu profitieren.

„Die von unserer grenzüberschreitenden Anwaltskooperation eingeleiteten Prozessstrategien erzeugen maximalen Druck auf die Verantwortlichen des Steinhoff-Skandals und zeigen, dass es für diese keine rechtsfreien Rückzugsorte gibt“, betont TILP-Anwalt Weiss.