IVG EuroSelect Vierzehn GmbH & Co. KG ("The Gherkin"): Schadensersatz wegen fehlerhafter Anlageberatung

Mit von der TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ("TILP") erstrittenem Urteil vom 21.11.2012 hat das Landgericht ("LG") Frankfurt die Commerzbank AG zu Schadenersatz von knapp 30.000,- Euro nebst Zinsen verurteilt, da sie die Kläger im Rahmen der Anlageberatung nicht darüber aufgeklärt hatte, dass sie für die Vermittlung der Beteiligungen erhebliche Rückvergütungen vereinnahmen würde.

Gegenstand der Klage waren treugeberische Beteiligungen der Kläger an der IVG EuroSelect Vierzehn GmbH & Co. KG ("The Gherkin"), die sie auf Empfehlung der vormaligen Dresdner Bank AG, deren Rechtsnachfolgerin die Commerzbank AG ist, im September 2007 abgeschlossen hatten.

Laut Verkaufsprospekt sollte es sich bei dem Investitionsgegenstand des Fonds um eine "erstklassige Immobilie in exponierter Lage mitten in der City of London" handeln, die für die Anleger "eine nachhaltige Wertschöpfung biete", zumal London als exponierter Standort für Büroimmobilien als "der sicherste Standort in Europa bewertet" wurde.

Vor diesem Hintergrund wurde den Klägern von der Anlageberaterin der vormaligen Dresdner Bank versichert, es handele sich bei dieser Fondsbeteiligung um eine "absolut sichere Geldanlage". Eine Belehrung über die Risiken dieser Anlage ließ die Dresdner Bank vollständig vermissen.

Schon kurze Zeit nach dem Beitritt der Kläger geriet der Fonds in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. Hintergrund hierfür war, dass die Beteiligung des Fonds an der Londoner Immobilie etwa zur Hälfte über ein Fremdwährungsdarlehen in Schweizer Franken fremdfinanziert war, und dass sich aufgrund der stetigen Aufwertung des Schweizer Franken (CHF) gegenüber dem Britischen Pfund (GBP) in der Folgezeit das hieraus resultierende Wechselkursrisiko realisierte. Hinzu trat ein Preisverfall auf dem Londoner Gewerbeimmobilienmarkt. Trotz der vollständigen Vermietung des Objektes mussten deshalb in der Folge die planmäßigen Ausschüttungen an die Anleger in Höhe von 5,5% p.a. ausgesetzt werden.

Die Kläger sahen sich vor diesem Hintergrund in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft beraten durch die vormalige Dresdner Bank.

Da sie eine sichere Anlage gewünscht hatten, die zu ihrer ergänzenden AltÃ¥ersvorsorge dienen sollte, hätten ihnen diese Fondsbeteiligungen, die sich zu diesem Zweck von vornherein nicht eigneten, schon gar nicht empfohlen werden dürfen. Überdies wurden sie von der Dresdner Bank auch in keiner Weise über die diversen Risiken dieser Anlage bis hin zu einem eventuellen Totalverlust aufgeklärt.

Das LG Frankfurt sah den haftungsbegründenden Aufklärungsmangel darin, dass den Klägern verheimlicht wurde, dass die Dresdner Bank für die Vermittlung dieser Beteiligungen Rückvergütungen in Höhe von über 10% des vermittelten Kapitals erhalten würde. Die erforderliche Aufklärung sei weder mündlich noch schriftlich erfolgt. Die Angaben im Verkaufsprospekt reichten nach Ansicht des LG Frankfurt nicht aus, um die Kläger über das Vertriebsinteresse der sie beratenden Bank aufzuklären.

Diese Auffassung des LG Frankfurt steht in Einklang mit der von TILP beim Bundesgerichtshof ("BGH") erstrittenen sogenannten "Kickback"-Rechtsprechung. Der BGH hatte zu einer vergleichbaren Prospektdarstellung bereits im Jahr 2011 festgestellt, dass diese nicht geeignet sei, den Prospektleser über das Vergütungsinteresse der ihn beratenden Bank aufzuklären.

Vor diesem Hintergrund dürften nach fester Rechtsüberzeugung von TILP auch für zahlreiche weitere Anleger des Fonds IVG EuroSelect Vierzehn GmbH & Co. KG ("The Gherkin") gute Chancen bestehen, erfolgreich Schadensersatz von ihrer Bank zu verlangen, die ihnen diese Beteiligung empfohlen hat. Denn: "Eine mündliche Aufklärung über diese erheblichen Provisionszahlungen durch den Anlageberater ist in keinem der uns bekannten Fälle erfolgt", so Rechtsanwalt Axel Wegner von TILP.