TILP fordert 1,1 Milliarden Euro Schadensersatz von der Hypo Real Estate

Die heute verstaatlichte HRE habe ab Juli 2007 den Kapitalmarkt und ihre Aktionäre vorsätzlich falsch informiert, so der Vorwurf. Sie habe milliardenschwere Risiken verschwiegen und gleichzeitig das eigene Risiko heruntergespielt. Die Anleger hätten viel zu spät erfahren, dass die HRE in besonderem Umfang von der Finanzkrise betroffen war. Verschwiegene Risiken lagen vor allem im Subprime-Bezug ihrer Wertpapier-Portfolien sowie der Übernahme der irischen Depfa-Bank.

In München geht es um Käufe vom 11. Juli 2007 bis 5. April 2008. Den geltend gemachten Ansprüchen liegen ganz überwiegend Käufe von HRE-Aktien durch weltweite Fondsgesellschaften, aber auch von Privatanlegern zugrunde.

Schon im Sommer 2007 hatte sich konkret abgezeichnet, dass die HRE Abschreibungsverluste im hohen dreistelligen Millionenbereich vornehmen musste. Trotzdem hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Georg Funke hartnäckig behauptet, die HRE „gehe gestärkt aus der Krise hervor“.

Die Klage stützt sich hauptsächlich auf amtliche Unterlagen wie zum Beispiel Prüfberichte der Deutschen Bundesbank - welche übrigens als vertrauliche Verschlusssachen weggesperrt sind - und Schreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Das Verfahren hat Bedeutung für den internationalen Kapitalmarkt: Gerade auch ausländische Investoren beobachten das Münchner Verfahren sehr genau. Der Ausgang des Musterprozesses stellt die Weichen dafür, ob auch zukünftig ausländische Investoren dem deutschen Kapitalmarkt und seinen Gesetzen Vertrauen schenken.

Kritiker des Verfahrens befürchten, dass am Ende der Steuerzahler die Zeche zu zahlen habe. Schließlich wurde die HRE verstaatlicht. Allerdings: Wenn die HRE verurteilt wird, zahlt sich das nachhaltig für den deutschen Steuerzahler aus. Denn ein Sieg der Kläger beweist, dass das Rechtssystem auch in der Praxis funktioniert und Investitionen in Deutschland effektiv schützt. Rechtsanwalt Andreas Tilp: „Das bringt dem Kapitalmarkt bereits verspieltes Vertrauen zurück, denn selbstverständlich gelten unsere Gesetze auch für verstaatlichte Banken und ausländische Investoren.“

Andreas Tilp ist überzeugt, dass die Anleger am Ende Recht bekommen und der längst überfällige Schadensausgleich erfolgt. Jedes andere Ergebnis wäre ein Signal in die falsche Richtung und würde dem Finanzstandort Deutschland schaden.