Bankkunden müssen Aussagen des Anlageberaters nicht überprüfen

Der Bundesgerichtshof hat in einem neuen Grundsatzurteil (III ZR 90/14) die Rechte geschädigter Kapitalanleger gestärkt.

Vor dem Erwerb einer Kapitalanlage steht meist eine Beratung durch eine Bank. Die Bank schuldet eine ordnungsgemäße Beratung, der Anleger muss über alle Chancen und Risiken vollständig aufgeklärt werden. Ist dies nicht der Fall, so haftet die Bank wegen fehlerhafter Anlageberatung.

Kommt es zum Prozess, so verteidigen sich Banken häufig mit dem Argument des sogenannten Mitverschuldens. Der Anleger hätte ja schon im oder nach dem Beratungsgespräch erkennen können, dass bestimmte Aussagen des Bankberaters nicht zutreffend sind. Insbesondere dann, wenn dem Anleger ein Prospekt übergeben wurde, der andere Aussagen zu den Chancen und Risiken der Anlage enthält, meinen Banken sich auf ein Mitverschulden des Kunden berufen zu können.

Dem hat der Bundesgerichtshof nun einen Riegel vorgeschoben. Nach einer aktuellen Entscheidung kommt ein Mitverschulden eines geschädigten Anlegers grundsätzlich nicht in Betracht, weil sich der Anleger auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der ihm erteilten Aufklärung und Beratung verlassen darf. Er braucht die Aussagen des Beraters nicht anhand des Prospektes überprüfen und abgleichen.

Kapitalanleger dürfen also weiter auf die Aussagen ihres Bankberaters Vertrauen und müssen nicht fürchten, dass ihnen später der Einwand des Mitverschuldens entgegen gehalten wird.